„Männer und Frauen können nicht befreundet sein“ hast du vor einigen Tagen zu mir gesagt und gelacht, weil wir gerade nebeneinander im Bett lagen. Ich glaube das ist nicht richtig, denn Männer und Frauen können sicherlich sehr wohl befreundet sein, wenn keiner von beiden Gefühle für den anderen hat.
Wie soll das mit uns beiden nur weitergehen? Vor ein paar Monaten habe ich mich gefragt, ob aus Gefühlen wohl Freundschaft werden kann. Vielleicht ist es möglich, aber nach sechs Monaten vergeht mir langsam die Lust und auch die Kraft auf den Tag zu warten, an dem es soweit ist. Ich glaube, es ist nicht möglich solange du mein bester Freund bist. Du bist mir viel zu nah, als dass ich Abstand von dir nehmen könnte.
Ich habe die Mission: Freunde werden wirklich ernst gemeint. Es war mein größtes Ziel. Aber nun stehe ich hier und frage mich, ob ich da nicht eine Mission Impossible begonnen habe. Ich habe dir ins Gesicht gesagt, dass ich noch Gefühle für dich habe und wusste, dass du das anders siehst. Ich dachte, es würde sich etwas zwischen uns ändern, wenn du das weißt. Aber unsere Freundschaft wurde nur noch intensiver.
Natürlich war es ein Fehler, als wir dann angefangen haben, auch Nächte miteinander zu verbringen. Es war vor allem mein größter Fehler. So hatte ich für eine Zeit lang genau das, was ich sonst nicht haben kann. Ich habe es beendet, weil ich wusste, dass es nicht gut ausgehen kann. Und nun steht es zwischen uns. „Ich habe immer im Hinterkopf, was die letzten Wochen so vorgefallen ist“ sagst du gestern zu mir und ich schüttele leise den Kopf. „Genau das sollte nicht passieren“, sage ich traurig und habe Angst, dass wir aus dieser Situation nun nicht mehr rauskommen. Wir haben uns selber eine Grube gegraben und ich glaube, wir sind hineingefallen.
Jetzt, wo wir „nur“ noch befreundet sind, triffst du dich wieder mit anderen Frauen. Damit habe ich gerechnet und es überrascht mich in keinster Weise. Aber wehtun tut es trotzdem. Und deshalb stelle ich mir die Frage, ob es nicht besser wäre, unsere Mission zu beenden. Es wäre nicht so leicht wie es sich vielleicht anhört. Den besten Freund aus seinem Leben zu streichen hat mit einer Menge Schmerz zu tun. Aber ist dieser Schmerz vielleicht geringer als der, den ich seit Monaten mit mir rumtrage? Jetzt gerade habe ich das Gefühl, dass es tatsächlich so ist.
Ich leide unter dem Schwebezustand. „Ich darf auch mal jammern, habe ich schließlich schon seit Wochen nicht mehr“, sagst du und „Ich hatte die letzten Wochen immer gute Laune.“ Ist dir vielleicht aufgefallen, dass du genau diese letzten Wochen mit mir verbracht hast?
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Du bist mir so wichtig, aber du bist auch meine größte Belastung. Ich bin hin- und hergerissen. Gestern war ein Tag, an dem ich mir meiner Sache sehr sicher war. Und dann haben wir abends telefoniert und ich habe das Thema, das mich momentan am meisten beschäftigt, einfach nicht angeschnitten und wir haben über andere Themen geredet. Vielleicht geht es doch? habe ich mich hinterher gefragt. Ich weiß es nicht. Gerne würde ich noch weitermachen und uns noch eine Chance geben. Eine von den vielen, die ich uns bereits gegeben habe. Aber wieso so viel Aufwand in etwas stecken, wenn man nicht weiß, ob man das Ziel jemals erreicht?


