Archiv für die Kategorie ‘Geschrieben’

h1

SMS? Gestern Nacht? Wer?

November 19, 2009

Es gibt nichts was von höherem literarischen Wert ist als nächtliche SMS. Deswegen behalte ich auch gerne meine eigenen betrunkenen Kurzmitteilungen, die zu später Stunde entstanden, in meinem Handyspeicher. Vermutlich gibt es nichts auf dieser Welt, was mehr Sinn und Aussagekraft hat. Das meine ich ernst. Um euch fortzubilden, solltet ihr hier mal nachlesen. Das bringt euch wirklich im Leben weiter. Mein persönlicher Beitrag (an einem Abend im Juni auf einem Festival am Campus) (bis auf zwei Antworten habe ich keine Reaktionen bekommen) (ich habe keine Antworten oder SMS von mir weggelassen, das lief wirklich so ab) (man beachte die Uhrzeiten):

[18.06.2009          20:21          Ich an die besteBeste]
Voll voll. Nur eine flasche erst. Franzi sich gemeldet? ?

[18.06.2009          21:10          Ich an die besteBeste]
Ja dir. Leider. Sehr meinte ich. Call you morgen! Falls r. i call you!

[18.06.2009          21:20          Ich an die besteBeste]
Mück koll

[18.06.2009          21:28          Ich an die besteBeste]
Scheiße ich krieg nichts mehr mit. Weiter kann nicht mehr stehen.

[18.06.2009          21:31          Ich an Herrn R.]
Bist du schon ergän!

[18.06.2009          21:32          Ich an Herrn R.]
Drin meinte ich!

[18.06.2009          21:36          Herr R. an mich]
Nö, ich sitz noch davor im gras und drinke bier. :-)

[18.06.2009          21:39          Ich an Herrn R.]
Nee aufm klo! Komme gleich! Wohin auch immer!

[18.06.2009          21:41          Ich an die besteBeste]
So voll war ich noch! Nie!

[18.06.2009          21:52          Ich an Herrn R.]
Komm rein!

[18.06.2009          22:21          Ich an Herrn R.]
Rechts neben der bühne. Rechts an dem bierstand’

[18.06.2009          22:52          Ich an Herrn R.]
Sach ma wo bist du denn?

[18.06.2009          23:45          Ich an meine Mitbewohnerin]
Mir ist so schlecht. Bin zuhause. Schlafe! Oh gott!

h1

Chat-Auszüge. #3

September 14, 2009

21:17:56 [Ich]: wollte noch was sagen
21:18:02 [Du]: oh bitte
21:18:05 [Ich]: kuuurz
21:18:07 [Du]: ja
21:18:08 [Ich]: nur zuhören
21:18:09 [Du]: los
21:18:15 [Ich]: nur
21:18:15 [Ich]: dass
21:18:23 [Ich]: ich dir dankbar bin, dass du das mit mir machst
21:18:28 [Ich]: und dass du mich so erträgst
21:18:32 [Ich]: obwohl ich so anstrengend bin gerade
21:18:41 [Ich]: bin ich dir wirklich dankbar für
21:18:45 [Ich]: und ich weiß das zu schätzen
21:18:53 [Ich]: danke!
21:19:04 [Du]: bitte gerne wieder
21:19:07 [Ich]: :)
21:19:29 [Ich]: weiß nicht womit ich dich gerade verdient hab
21:19:32 [Ich]: und das mein ich ernst
21:19:35 [Ich]: ausnahmsweise mal :)
21:19:36 [Du]: ich auch nicht
21:20:00 [Ich]: das ist aber nett, dass du das auch nicht weißt

h1

Die Geschichte vom Schlüssel zum Herzen.

September 11, 2009

Sie saßen zusammen auf der Couch im Wohnzimmer. In regelmäßigen Abständen wurde nach den Gläsern gegriffen, die mit Hochprozentigem gefüllt waren und eine kleine Garantie für einen schönen Abend sein sollten. Alle waren froh, den Abend in genau dieser Runde zu erleben. „Kannst du mir noch was einschenken?“

„Heute ist Valentinstag“, hatte ihre Mitbewohnerin noch morgens gesagt und sie hatte ein gespielt trauriges Gesicht aufgesetzt. „Wir sind schon arm dran, so ganz ohne Valentin.“
„Ach weißt du was? Ich suche mir heute Abend einfach mein persönliches Herzblatt, das klappt schon!“, lachte sie ihre Mitbewohnerin an und musste selber bei dem Gedanken an die Unwahrscheinlichkeit, dass der Plan aufgehen könnte, schmunzeln. Es war ein Witz gewesen und nach ein paar Sekunden redeten sie schon wieder über etwas anderes.

„So, das ist die letzte Runde, dann fahren wir los!“ Eigentlich war diese letzte Runde gar nicht mehr nötig, denn schon jetzt lag eine euphorisierte Stimmung im Raum und alle wussten, wenn nicht die nächste Katastrophe um die Ecke kam, dann würde das auch so bleiben. Es gibt Abende, an denen spürt man einfach, dass sie das Potenzial für bleibende Erinnerungen haben.
„Was hast du da für Anhänger an deiner Kette?“, wurde sie von ihrer Freundin gefragt und sie ließ für einen Augenblick von ihrem Glas ab und griff nach der Kette, die sie um den Hals hängen hatte. „Ach.. da ist so Krams dran.. so ein komischer Engelsflügel und ein Herz.. und das hier, das ist ein Schlüssel. Der Schlüssel zu meinem Herzen!“ „Habt ihr gehört, sie hat den Schlüssel zu ihrem Herzen dabei! Aber pass auf, dass du ihn heute nicht verlierst!“ Doch sie hörte schon gar nicht mehr zu. Der Rausch hatte sie schon längst gepackt und wie so oft hörte sie die Stimmen um sich herum, doch es war ihr als würden die Worte an ihrer Oberfläche abprallen. Sie freute sich auf die Tanzfläche und die laute Musik. Warum auch hätte sie an den kleinen Schlüssel denken sollen, den sie da an ihrem Hals baumeln hatte?

Ausgelassen tanzten sie an diesem Abend und nahmen das ein oder andere Getränk von der Bar mit. Auch sie tanzte und hatte großen Spaß, bis sie.. ja, bis sie den jungen Mann entdeckte, der ihr schon vor vielen Wochen aufgefallen war. Seine blonden Haare hingen ihm keck in die Stirn. Viel zu oft schon war sie seinem Blick ausgewichen, was sprach also dagegen ihn heute einmal anzulachen? Ihr fiel kein guter Grund ein und deshalb tat sie es einfach. Und als sich dann ein feines Lächeln auf seinen Lippen bildete, spürte sie wie ihr kleines Herz einen vorsichtigen Hüpfer machte.

Wenige Lieder später tanzten sie gemeinsam auf der Tanzfläche, tauschten Namen und Berufe aus. „Du bist öfter hier, kann das sein?“, schrie er gegen die laute Musik an. „Ich habe dich schon oft hier gesehen.“
Er schaute an ihr herunter und griff nach den kleinen Anhängern an ihrer Kette. „Was ist das?“
Doch sie schwieg und beobachtete ihn dabei, wie er die kleinen Anhänger genau betrachtete und sie dann wieder aus der Hand fallen ließ, um ihr in die Augen zu sehen. Erst viel später würden beide bemerken, dass er soeben eine Tür aufgeschlossen hatte, die sich nicht so leicht wieder verschließen ließ.

h1

Ein Versuch.

September 2, 2009

Es ist leise auf den Straßen. Selten fährt ein Auto vorbei. Von weiter hinten, dort wo sie gerade herkommen, kann man noch den gedämpften Bass hören, der den Rausch des Vergessens untermalt.
Die rosanen Buchstaben der großen Kinokette leuchten über ihnen, während der Großteil der Menschen schon schläft.

„Warum hast du Angst?“
„Ich weiß nicht.“

„Wovor?“

Ein junges Paar geht an ihnen vorbei. Er dreht den Kopf und schaut den beiden hinterher. Wie kann etwas so wehtun, wenn es doch gleichzeitig so schön ist?

„Ich will dich nicht verletzen.“

Es ist mehr eine Mundbewegung als ein Wort. Es ist die trügerische Vorstellung, dass der, der nicht gehört wird auch nichts gesagt hat. Sie möchte gehen, doch sein Blick hält sie fest. Aus Armen kann man sich leichter befreien als aus den Fängen eines Blickes.

„Warum hast du das getan?“

Sie löst ihre Lippen von seinen und lässt sich wieder von seinem Blick fangen.

„Ich wollte der Angst entkommen.“

„Und nun?“
„Jetzt hat sie wieder Überhand genommen.“

[Inspiriert von Dominiks wundervollen Worten]

h1

Chat-Auszüge. #2

Juni 10, 2009

[Ich] 18:13:56:
ich drehe hier bald am rad
[Ich]: 18:14:02
drehe ich eigentlich schon
[Du]: 18:14:11
ich habe heut auch schon am rad gedreht

h1

Chat-Auszüge.

Mai 9, 2009

17:59:30 [Ich]: warum soll ich immer diejenige sein mit der gespielt wird?
17:59:36 [Ich]: ab jetzt bin ich the master of the game
17:59:37 [Ich]: ;-)
18:00:01 [Du]: wieso ich habe nicht mit dir gespielt
18:00:06 [Ich]: ich rede doch nicht von dir
18:00:09 [Du]: ok
18:00:11 [Du]: danke
18:00:20 [Ich]: aber schön dass dus direkt auf dich beziehst
18:00:22 [Ich]: haha
18:00:29 [Du]: danke

h1

Projekt Shortstories: A wish for something more.

Februar 11, 2009

Ob es wohl Diebstahl ist, wenn man seinem Bruder das stiehlt, was ihm am Liebsten ist? Wenn man ihm das nimmt, was ihn zu dem macht, das er ist?

„Phillip, kommst du jetzt? Wir wollen los“,  rief sein Bruder durch die geschlossene Tür aus dem Flur und Phillip setzte sich seufzend auf. Was sollte das nur wieder werden? Wie sollte er den Abend überstehen, wenn doch all die anderen Abende schon eine Qual für ihn gewesen waren? Er strich sich einen seiner Dreadlocks, die ihm beim Aufsetzen ins Gesicht gefallen waren, zur Seite und ging hinüber zu seinem Koffer. Ohne groß nachzudenken nahm er sich eine Cap aus seiner großen Sammlung. Ob sie zu dem Rest seines Outfits passte, war ihm egal. Wen wollte er schon beeindrucken?

Er steckte sein Handy und Portemonnaie in die Hosentasche und ging nach draußen auf den Flur. „Na endlich, Phil! Lukas hat mich schon wieder hoch geschickt, weil du so ewig gebraucht hast. Wir dachten schon, du hast es dir anders überlegt!“, lachte ihn das braunhaarige Mädchen an, das jetzt vor ihm stand. Er taumelte einen Schritt zurück, weil er nicht erwartet hatte, gerade sie vor seiner Tür anzutreffen.

Read the rest of this entry ?

h1

Projekt Shortstories.

Februar 7, 2009

ps09

Wenn ich es zur Zeit schon aufgrund der Uni-Klausuren nicht schaffe, selber daran teilzunehmen, möchte ich doch nun wenigstens die Chance nutzen, ein großartiges Projekt vorzustellen, das die ins Leben gerufen hat. Wie man am Titel schon erkennen kann, geht es um Kurzgeschichten.

Das Projekt läuft über ein ganzes Jahr. Alle zwei Wochen werden drei Reizwörter per Zufallsgenerator ermittelt, die die Grundlage für die Kurzgeschichten bilden. Wobei das Projekt nicht auf das Genre Kurzgeschichten festgelegt ist. Jeder kann im Grunde schreiben, was ihm einfällt.

Ich persönlich finde die Idee ziemlich cool und hoffe, dass ich bald auch die Zeit und Ruhe finde, endlich ein paar Kurzgeschichten zu schreiben. Vielleicht haben ja noch ein paar mehr Leute Lust mitzumachen?

h1

Autorenzeile.

Juli 13, 2008

Es gibt keine, aber auch wirklich keine Worte, die beschreiben könnten, wie das so ist. Wenn man die Zeitung aufschlägt und seinen Namen vor einem Artikel stehen sieht. Stolz und Freude kommen nicht an das Gefühl ran, das einen übermannt, wenn man den eigenen Text abgedruckt sieht. Ich möchte mehr davon, definitiv.

h1

Boulevard Of Broken Dreams.

Juni 19, 2008

Vorsichtig schob er den Schlüssel ins Schloss. Ohne, dass er nachdenken musste, drehten seine Hände den Schlüssel und zogen am Türknauf, bis die Tür sich öffnete. Gewohnheiten ließen sich nicht auslöschen.

Seine rechte Hand griff nach der großen Reisetasche. Die Linke schob die Wohnungstür auf. Die Schritte seiner braunen Lederstiefel hallten ungleichmäßig in dem langen Flur, der mit hellem Parkett ausgelegt war. Doch die Dunkelheit der Nacht färbte es rabenschwarz. Unheimlich und fremd. Erst nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, traf ihn die Wucht der Stille. Sie dröhnte wie ein quälender Schrei in seinen Ohren und drückte ihn fest an die Wand. Das Schweigen. Die Stille. Die große Leere. Gemeinsam pressten sie sich an ihn und versuchten Besitz zu ergreifen.

Read the rest of this entry ?