vor einem Monat habe ich geschrieben, dass ich glücklich bin, dass zwischen uns alles so entspannt ist. Dass wir nun eine tolle Freundschaft führen, die uns beiden genügt. Dass wir nun nicht mehr darauf achten müssen, wer was wie sagt und dass niemand von uns mehr von dem anderen will. Warum haben wir uns nicht bewahrt, was wir bis dahin geschaffen hatten?
Wir haben gemeinsam über den Abend gelacht, an dem du so laut geatmet hast. Es war kein Problem für uns beide. Dann kam das große Loch und die Veränderung in dir und auch zwischen uns. Bei dir ist viel vorgefallen und du hast viel nachgedacht. An allen Gedankengängen habe ich teilgenommen und du hast mir so viel erzählt. Sachen, die ich niemandem sonst weitererzählen würde. Auf einmal wurde ich deine gute Freundin. Die sofort angerufen wird, wenn irgendwas ist. Deren Meinung du hören willst. Und deren Worte dir auch noch Tage später im Kopf herumschwirren. Hier hätten wir aufhören sollen. Bis zu diesem Punkt war es optimal, fandest du nicht auch?
Dann kam der Abend an dem viele Tränen vergossen wurden, und an dem auch du noch geweint hast. Wieso bin ich an diesem Abend nicht nach Hause gegangen? Einen Tag später haben wir ein wichtiges Gespräch auf der Wiese geführt. Wir hatten beide Angst, denn es fühlte sich an wie eine große Veränderung. Fünf Tage haben wir nicht miteinander gesprochen. Doch nun merken wir beide, dass sich nichts verändert hat. Paradoxerweise ist unsere Freundschaft noch tiefer geworden seit diesem Gespräch. Was läuft bei uns falsch?
Wir haben ein Wochenende in meiner Oststadt verbracht und einen Mittwochabend bei dir. Und wir beide wissen, wie viel uns unsere Freundschaft bedeutet und wir wissen, wie weit eine Freundschaft gehen darf. Seltsam, dass wir in manchen Momenten alle Grenzen überschreiten. Ich kann dir nicht vorwerfen, dass du egoistisch handelst, denn ich kenne deine Gedanken. Du kennst meine auch. Wir sind zwei offene Bücher, die genauestens Bescheid wissen, und genau dieses Wissen trotzdem ignorieren. Ab welchem Punkt müssen wir merken, dass wir den falschen Weg eingeschlagen haben?
Im Moment komme ich recht gut mit diesem Schwebezustand klar. Aber auch nur, weil es keine Regelmäßigkeit gibt und wir immer noch die gleiche Freundschaft führen wie zuvor. Und wir können beide sehr gut über uns selber lachen. Aber dann darfst du mich nicht nachts betrunken anrufen und mir Dinge sagen, von denen ich weiß, dass du sie eigentlich nicht so meinst. Die mich wieder in alte Gedanken zurückwerfen und das, was zwischen uns ist, wieder unsicherer machen.
Ich hoffe sehr, dass wir das hinkriegen. Weil du mein Freund bist. Weil ich dich brauche und weil ich auch glaube, dass du mich brauchst. Sowas findet man nicht oft auf dieser Welt, warum versuchen wir also in regelmäßigen Abständen, es uns kaputt zu machen?


