Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob das alles hier so richtig ist. Wenn ich mir die Statistiken anschaue und jedes Mal schon vor Sorge die Augen zusammenkneife, weil ich hoffe, dass der Zähler vielleicht mal wieder runtergeht. So war es nie und ich weiß nicht, ob es gut ist, dass es jetzt so ist.
Der Zähler geht in bisher ungekannte Höhen und ich sitze immer wieder davor und mir wird ein bisschen mulmig. Wer ist das alles, der hier mitliest? Möchte ich das noch? Was ist das, was hier geschrieben wird?
Ich habe ganz leise angefangen. Habe mir selber ein bisschen aus meinem Leben und vor allem aus meinem Kopf erzählt. Die Erzählweise und vor allem der Inhalt hat sich sehr gewandelt. Habe ich bisher einfach gar nicht mehr geschrieben, wenn das reale Leben überhand nahm, so wird jetzt alles in Worte gefasst. Alle Gedanken, viele reale Begebenheiten. Es ist viel mehr ein Tagebuch geworden als es das vorher war. Ein Tagebuch, dass ich zur Diskussion stelle. Und auch wenn es nur minimale Ausschnitte aus dem sind, was es wirklich zu erzählen gibt, so ist es doch mein reales Leben. Das mir gehört. Ich bin mir nicht sicher, ob hier nicht schon viel zu viel von mir drinsteckt. Einerseits möchte ich gelesen werden. Gerne stelle ich mich selber zur Diskussion. Aber bewertet möchte ich nicht werden. Und mein Leben schon gar nicht.
Was mir außerdem Gedanken macht, ist die Tatsache, dass ich von realen Personen erzähle. Oder hier und da reale Personen direkt anspreche. Die nicht wissen, dass sie hier auf einer Plattform stattfinden und gelesen werden. Die ich, ohne zu fragen, einfach auch zur Diskussion stelle, weil sie Teil meines Lebens sind. Und dieser Blog gibt genau diese wieder. Ist das richtig? Ich weiß es nicht.
Und manchmal frage ich mich auch, was ich mache, wenn einfach mal jemand, der mich tatsächlich kennt, ein Stichwort aus meinem realen Leben eingibt und auf diesen Blog stößt. Eigentlich glaube ich nicht dran, weil es eine sehr unwahrscheinliche Sache ist. Aber immer, wenn ich diesen Zähler betrachte, frage ich mich, wer wohl alles unter den Lesern/Anklickern ist. Das ist ein anonymer Blog, der nicht auf meine reale Person schließen lässt. Nur einige wenige Leute kennen die reale Person hinter der Sternengreiferin. Und eigentlich sollte das auch so bleiben. Denn das ist die Gewährleistung dafür, dass ich hier frei schreiben kann. Und im Moment gibt mir diese hohe Leserzahl eher das Gefühl, dass diese Anonymität gefährdet ist.
Ich möchte nicht aufhören zu schreiben, aber ich möchte auch nicht unter dieser Unsicherheit leiden. Mir fällt es selber schwer, diesen Blog und das darin Geschriebene objektiv wahrzunehmen und zu hinterfragen wie viel es auf meine Person schließen lässt. Und schon gar nicht möchte ich, dass Menschen, die ich hier thematisiere, hier mitlesen und sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Ich muss mal überlegen, was am besten für mich ist und wie ich diesen Blog mit gutem Gewissen weiterführen kann.




