Kassenzettel
(Übersetzung: Bon)

Offensichtlich scheine ich derzeit so etwas wie ein Magnet zu sein. Vielleicht habe ich aber auch nur ein geheimes Glitzern in den Augen – von dem ich nichts weiß – das männliche Wesen um mich herum auffordert, mich anzusprechen. Auf einmal bildet sich um einen herum ein kleiner Kreis von Kerlen, die alle irgendwie dieselben Absichten haben. Und da frage ich mich einfach: Hallo? Ähm, hier dingsbums, wo wart ihr vor einem halben Jahr? Da hättet ihr schön verteilt alle nacheinander ankommen können. Wir hätten ne Menge Spaß haben können. Aber jetzt? Jetzt werde ich mit Interesse zugeballert und die einzige Person, die ich gerne mit Interesse überschütten würde, interessiert sich nicht für mich. Jedenfalls nicht so, wie ich das gern hätte. Aber nun gut. Dann führe ich eben das Experiment ‘Können Frauen und Männer befreundet sein?’ an verschiedenen Kandidaten durch. Auch mal interessant.

Es gibt Menschen, die sitzen zuhause oder vielleicht auch draußen auf einer Parkbank und warten darauf, dass das Leben sie packt und mitzieht. Sie sitzen da und warten einfach. Und dabei merken sie nicht, dass sie an einer Bushaltestelle sitzen, an der schon lange kein Bus mehr vorbeikommt.
Niemand kann erwarten, dass das Leben einfach so passiert. Dass es auf sie herabprasselt und im besten Falle auch noch glücklich macht. Oder das jemand vorbeikommt und das für sie übernimmt. Und manche merken vielleicht auch gar nicht, dass ihnen etwas entgeht, wenn sie so auf der Parkbank dasitzen und nichts tun.
Denn es sind nicht diese Momente auf der Parkbank oder im Wartezustand, an die wir uns ein Leben lang erinnern werden. Es sind all die Momente daneben. Nicht der Weg zur Arbeit und nicht die täglichen Treppen, die wir steigen müssen. Sondern all das, was außerhalb dessen passiert. Das, was all die Menschen nicht erleben, die sitzen bleiben.
Erinnerungen sind, wenn ich um halb eins in der Nacht mit meiner Mitbewohnerin in die Küche stürze und wir beide feststellen, dass wir eine heimliche Leidenschaft für Gewürze teilen. Wenn wir dann aufspringen, alle Gewürze zusammensuchen und sie dann farbig und nach Größe sortiert in der Küche aufbauen. Und uns dabei gegenseitig auslachen.
Wenn ich um 5 Uhr morgens Hand in Hand mit jemandem wie irre durch den Bahnhof rennen kann, weil wir nicht auf die Striche auf dem Boden treten dürfen.
Wenn ich ohne Grund jemanden vor dem Bahnhof anlache, ihn spontan mit in die Disko einlade und mich dann ohne diese Person zu kennen vier Stunden lang mit ihr unterhalte. Und dabei das beste Gespräch seit langem führe.
All das sind die Momente, die das Leben ausmachen. Für mich zumindest. Es sind die kleinen glitzernden Momente, die wir nicht vergessen werden. Die uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Oder in nostalgischen Momenten vielleicht auch eine Träne über unser Gesicht laufen lassen. Das ist das Leben. Und das kommt nicht einfach so. Wenn man auf seinem Hocker sitzt und wartet, wird einen nie etwas herunterreißen. Man muss erkennen, dass man aufstehen muss. Die nächsten Schritte werden von alleine kommen.

Ich muss ja mal sagen: Ich habe noch nie so eine gestörte Truppe wie euch getroffen.

And you always think
Always speak cryptically
I should know
That you’re no good for me‘Cause you’re hot then you’re cold
You’re yes then you’re no
You’re in and you’re out
You’re up and you’re down
You’re wrong when it’s right
It’s black and it’s white
We fight, we break up
We kiss, we make up[Katy Perry, Hot N Cold]

..wie ich das geschafft habe. Aber sie sind jetzt wohl im Schuhhimmel.
