Nicht aufgeben, bevor man es nicht versucht hat.
Fällt unter: Sich an seine eigenen Weisheiten halten.

Nicht aufgeben, bevor man es nicht versucht hat.
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Wenn ich es noch nicht mal schaffe, das Kalenderblatt zum aktuellen Monat an der Wand zu haben, wie soll ich dann alleine wohnen können? Will ich nicht doch erstmal ein bisschen von der Welt sehen? Ein bisschen rumreisen und arbeiten? Wer sagt mir, dass ich nicht gerade die falsche Entscheidung treffe? Scheiße.

Ich war gestern in Leipzig und hatte tagsüber sehr viel Zeit zum Verbringen. Also lief ich durch die Stadt, war in so ziemlich allen Läden und kenne alle Tiere auswendig die gerade im Hauptbahnhof ausgestelllt werden (Exotische Wochen sind da gerade).
Und weil ich da also ständig hin- und hergelaufen bin, bin ich ständig angesprochen worden. Von Menschen, die mir etwas unterjubeln wollten. Das Problem bei der Sache: Ich kann ja so schlecht Nein sagen. Und dann erklären die das immer so superduper, dass man gar keinen Grund mehr hat Nein zu sagen. Mir ist schon klar, dass einfaches Weitergehen am besten hilft. Aber wenn man das nicht gleich tut, ist man gefangen. Quasi.
Ich stand da also und mir wurde erzählt, dass Leute gesucht werden, die kostenlos eine Zeitschrift abonnieren. Ganz allein zu dem Zweck, um jugendliche Zeitungsverteiler bei ihrem Job zu überprüfen. War an sich nichts Schlimmes dran an der Sache. Ich musste nichts machen, nur Zeitschriften bekommen. Für kein Geld. Und nach zwei Monaten könnte ich dann entscheiden, ob ich die Zeitschriften weiterhin bekommen wollte. Die wären auch billiger als sonst, weil sie aus der Überschuss-Produktion kommen.
Nun gut. Ich habe Krams unterschrieben und gehe weiter. Währenddessen schaue ich mir mal den Zettel an, den ich unterschrieben habe, auf dem nichts von dem steht, was der junge Herr mir erzählt hat. Nur, dass ich zwei Monate für umsonst und 12 Monate für Geld eine Zeitschrift bekomme. Das verwirrte mich. Wo blieben die armen Hartz-4-Jugendlichen, von denen er erzählt hatte?
Dann stand er wieder neben mir (obwohl ich schon weitergegangen war) und erklärte mir freundlich noch mal alles. Die Frage, warum das, was ich eigentlich bekommen sollte, gar nicht auf dem Zettel stand, beantwortete er mit Deswegen habe ich es dir ja erzählt. Äh achso. Aber er erklärte es plausibel. Und um mich herum, ließen sich weitere Menschen von seinen Kollegen dazu hinreißen, für zwei Monate umsonst eine Zeitschrift in den Briefkasten zu bekommen. Ich bin unentschlossen, was ich jetzt davon halten soll. Sein Serviceteam ruft mich demnächst an und erklärt mir alles noch mal.
Aber ich glaube, bis dahin habe ich meine Widerrufserklärung schon abgeschickt. Das nächste Mal sage ich einfach Nein. Ich habe es mir fest vorgenommen.
Und das Blödeste an der ganzen Sache: Während ich da so mit dem guten Vermittler stand, kam ein anderer junger Mann auf mich zu (der den Vermittler für meinen Freund hielt….) und wollte ein Radio-Interview machen. Ehrlich gesagt, das wollte ich viel lieber machen. Und der Radio-Herr hatte auch etwas leicht Attraktives an sich. Aber leider kann man ja nicht zwei Sachen gleichzeitig machen. Und als ich meinen Zwei-Monats-Zeitschrift-Vertrag endlich in den Händen hielt, war von dem hübschen jungen Mann keine Spur mehr. Noch ein Grund mehr, nächstes Mal Nein zu sagen.

Ich würde gerne die Zeit anhalten können. Sie soll erst auf meinen Befehl weitergehen.
Denn auch wenn ich im Moment kaum zu etwas zu motivieren bin in meinem letzten Monat hier, so ist es trotzdem.. HEILIGE SCHEISSE.. mein letzter Monat hier! Bald wohne ich nicht mehr hier. Und wenn mir dieser Gedanke wirklich bewusst wird (in so Momenten wie diesen), dann fühle ich mich schlagartig wie ein kleines Kind. Ein kleines Kind, das fragend vor der grossen Welt steht und sich suchend nach dem Beschützer umsieht, der es durch eben diese führt. Wie soll ich das alleine machen?
Bald wohne ich nicht mehr hier. Und auch, wenn ich immer hierher zurückkommen kann, so ist es doch nicht mehr das gleiche wie vorher. Ausziehen heisst Erwachsen sein. Das Leben alleine hinkriegen. Ich weiss, dass ich das kann. Aber ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob ich das will. Ob ich dazu bereit bin. Aber wahrscheinlich ist man zu Veränderungen nie bereit. Sie müssen einfach kommen. Wenn man bereit wäre, würde man sich selbst nicht verändern. Wahrscheinlich wäre man noch nicht mal ein Mensch.
Ich versuche panisch, die letzte Zeit hier aufzusaugen, alles mitzunehmen. Doch eigentlich lebe ich nicht anders als vorher.
Eine Freundin sagte vor kurzem, dass es komisch ist, wenn wir uns jetzt über so erwachsene Dinge wie Studium und Umzug unterhalten, obwohl wir doch noch Kinder sind. Vermutlich werden wir das auch immer bleiben. Nur an die Dinge, die wir vorher nicht tun mussten, gewöhnen wir uns irgendwann. Wir erfahren Neues, wir übernehmen Verantwortung und wir lernen dazu. Wir gewöhnen uns daran, Dinge zu tun, so dass wir irgendwann keine Scheu mehr haben. Dinge, die wir oft tun, bereiten uns keine Ängste mehr. Aber wenn etwas Neues auf uns zukommt, dann sind wir immer noch Kinder. Wer ist schon erwachsen? Was ist schon erwachsen? Eigentlich sind wir doch alle Kinder. Manche älter, manche jünger. Manche bewusster, manche unbewusster.

Das Leben als solches geht im Moment eher schleppend voran. Es ist mein letzter Monat zuhause und da ich nicht arbeite, verbringe ich sehr viel Zeit in eben diesem Zuhause. Während bei allen anderen das Leben weitergeht. Es wird zur Arbeit und zur Schule gegangen. Nur mein Leben ist unstrukturiert und verläuft momentan eher nach dem Zufallsprinzip.
So schön Ferien auch sind (und ich hatte jetzt eine Menge davon), irgendwann bewirken sie eher das Gegenteil von Entspannung und Ruhe. Lethargie nämlich. An manchen Tagen (wie heute) habe ich keine Lust überhaupt irgendetwas zu tun. Schon Bewegen wäre zu viel des Guten gewesen. Und dabei habe ich so unglaublich viel Zeit. Zeit, wie sie sich andere wünschen würden. Deswegen reiße ich mich an den anderen Tagen zusammen. Ich koche viel, ich backe, ich räume auf, ich putze, ich lese und ich schreibe. Ach, soziale Kontakte pflege ich auch hin und wieder. Aber es wäre einfacher für mich, wenn ich mich dazu nicht so zwingen müsste.
Es liegt an der fehlenden Arbeit, der fehlenden Tagesstruktur, dass man sich dazu hinreißen lässt, einfach mal nichts zu tun. Irgendwann verfällt man in einen Trott, aus dem man so schnell nicht wieder herauskommt. Deswegen freue ich mich, wenn das Studium endlich losgeht. Wenn der Tag mit etwas gefüllt ist. Und wenn ich mir Zeit nehmen muss, um Dinge zu tun. Denn dann fallen sie meistens leichter.

Freunde, ich habe eine WG! Das Leben hat wieder einen Sinn :)

Hier ist zur Zeit wirklich nichts los. Ich wollte vor ein paar Tagen eigentlich mal eine ganz lange Abhandlung schreiben. Die war schon halb fertigkomponiert in meinem Kopf. Ich habe inzwischen aber leider vergessen, um was es ging. Mal schauen, vielleicht kommt es ja wieder.
Ansonsten verbringe ich Zeit in Leipzig. Nicht immer körperlich, aber viel mental. Morgen zum Beispiel wieder körperlich. Aber auch das letzte Mal. Wenn morgen auch kein WG-Zimmer dabei ist, dann gehe ich ins Studentenwohnheim. Nicht, weil ich glaube, dass ich nichts mehr finde. Sondern weil ich keine Lust mehr habe zu suchen. Leipzig wird überrannt von Studenten. Wenn sich auf eine Wohnung mehr als 30 Leute bewerben, ist die Chance mitunter sehr gering, dass man mal genommen wird. Um mir den Stress zu sparen, höre ich dann mit Suchen auf. Mal schauen, was der morgige Tag bringt.
Und die restliche freie Zeit habe ich in den letzten Tagen damit verbracht, mein kleines, sehr sehr süßes MacBook mit Daten zu füttern. Hach.
Bald wohne ich in Leipzig. Wo auch immer. Vielleicht will ich doch AuPair machen.