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Viva la Revolution. Sagten sie.

Juni 9, 2008

Eigentlich habe ich heute ja bombastisch gute Laune. Ich weiß nicht genau wieso, aber sie könnte besser definitiv nicht sein. Aber eine Sache geht mir immer wieder durch den Kopf. Und das ist Folgende:

Ich war vor einigen Tagen auf einem Ärzte Konzert. Es war großartig, keine Frage. Aber es gibt eine Sache, die mich stört. Und die fällt mir immer wieder im Zusammenhang mit diesem Konzert ein.
Die Ärzte sind eine Band, die sich deutlich gegen Nazis ausspricht. Und hin und wieder habe ich das Gefühl, dass jeder, der einen Anti-Nazi-Song mitgrölt, sich gleich für einen Helden hält. Selbstverständlich ist es nichts Schlechtes, etwas gegen Nazis zu haben. Es mag sogar etwas sehr Gutes sein. Aber das reicht nicht. Die Ärzte sind eine Band, die motivieren will. Die Aufmerksamkeit auf dieses Problem lenken will. Aber den Songtext von “Schrei nach Liebe” mitzugrölen bringt uns auch nicht weiter. Es ist extrem in und sowas von cool, gegen Nazis zu sein. Aber was bringt das der Welt, wenn man seinen Arsch nicht hochkriegt und sein Maul nicht auf? Selbstverständlich zähle ich mich selber in diese Gruppe.

Nehmen wir zum Beispiel diesen Moment. Bela B. sagt der Menge, der noch das letzte “Arschloch” in der Kehle hängt, dass, wenn nur die Hälfte der Anwesenden zur nächsten Anzi-Nazi-Demo geht, die Nazis gnadenlos in der Minderheit wären. Und sofort werden die Hände gehoben und es wird gegrölt. Es waren 12.000 Menschen da. Sagen wir, die Hälfte davon hat gegrölt und seine Aufforderung mit Stimme und Händen unterstützt. Warum waren dann auf der letzten Demonstration nur tausend Leute? Ich kann auch viel reden, wenn der Tag lang ist. Die war aber auch früh, die Demo. Hat schon um zehn Uhr morgens angefangen. Das ist natürlich schwer. Ich kann das verstehen. Aber dann soll man sich bitte nicht als Anti-Nazi-Gott aufführen. Als würde man die Welt revolutionieren wollen. Natürlich verändert eine Demonstration nicht die Welt. Aber darum geht es doch gar nicht.

Wenn man nach einem Deutschlandspiel nach Hause geht und dann laute “Deutschland, Deutschland… Ausländer raus!”-Rufe hört, dann möchte man am liebsten explodieren und vorher um sich schlagen. Vor allem dann, wenn niemand, aber auch wirklich niemand ein Wort dazu sagt. Was sind wir doch alle für Feiglinge.

3 Kommentare

  1. Wie recht du hast.

    Aber ich muss zugeben, dass ich, wenn ich alleine unterwegs bin und einen Pack Nazis sehe, ich einen großen Bogen um sie machen. Denn da sind die eben 4, 5, 6 und ich einer. Sie stämmig, trainiert und ich eben ich. Da habe ich einfach zu viel Schiss.

    Aber es ist natürlich immer einfacher, einen Song der Ärzte mitzusingen. Interessant finde ich es vor allem, wenn sich jemand als Ärzte-Fan outet und zwar nicht rassistisch aber über weite Teile kaum tolerant ist.


  2. Niemand würde verlangen, dass man sich alleine gegen eine ganze Gruppe stellt. Das wäre wahnsinnig.


  3. [...] Sternengreiferin hat über Leute geschrieben, die Anti-Nazi-Lieder mitgröhlen und sich dadurch als die Helden [...]



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