
Halt mich. Wenn du kannst.
10. April 2008Jetzt ist sie fast weg. Die große Konstante in meinem Leben.
Nie mehr Hausaufgaben und nie mehr zum Nachmittagsunterricht gehen müssen. Nie mehr Kreide holen und nie mehr in der Pausenhalle sitzen. Nie mehr Blödsinn machen und in Freistunden rumgammeln. Was habe ich die Schule in manchen Momenten verabscheut und gehofft, ein Wirbelsturm würde sie eines Tages mitnehmen oder der Sommer wäre so heiß, dass im nahegelegenen Wald ein Brand ausbrechen würde, der die Schule gleich mitflachlegt. Aber heute, als ich zum letzten Mal Unterricht in dieser Einrichtung hatte, da überkam mich zum ersten Mal so etwas wie Wehmut.
Die Schule ist wie eine lange, stabile Holzstange. Am Anfang muss man sich an ihr festklammern, um einigermaßen aufrecht zu stehen. Doch mit der Zeit lernt man, die Stange immer mehr loszulassen und steht am Ende nur noch angelehnt da. Und jetzt ist die Stange auf einmal weg. Nichts, was einen mehr hält. Nichts, an dem man sich zur Not stützen kann. Natürlich gibt es andere Möglichkeiten, aber wenn eine jahrelange Haltemöglichkeit von heute auf morgen nicht mehr da ist, dann ist die Leere spürbar.
„Ach komm, immer hast du gesagt, du freust dich, wenn die Schule endlich vorbei ist!“, höre ich die echoende Stimme der Schule in meinem Kopf. Und es stimmt. Wie habe ich die Schule an manchen Tagen gehasst. Ich musste Vorträge halten, die ich nicht halten wollte. Ich musste Bücher lesen, die ich niemals freiwillig in die Hand genommen hätte. Natürlich freue ich mich, dass ich es nun endlich fast geschafft habe. Aber die Leere, die danach kommt, lässt mich jeglichen Schulzwang zurückwünschen.
So viele lustige Stunden. So viel Spaß. Aber auch so viel Verzweiflung, Stress und Ärger. An einem Ort. 13 Jahre lang. Zwei Drittel meines Lebens habe ich an diesem Ort verbracht. Kein Wunder also, dass man zunächst glaubt, man könne nicht ohne. Wahrscheinlich ist es normal, dass man ohne Holzstange im Rücken zuerst ein bisschen taumelt. Aber nach einiger Zeit fängt sich jeder. Bestimmt.
Solange reiße ich mich zusammen, morgens nicht zusammen mit meiner Schwester aufzustehen und mich zu ihr in den Unterricht zu schmuggeln. Oder den Brief an den Schulleiter abzuschicken, in dem ich um Wiederholung des Schuljahrs bitte.
Ich weiß, dass Dir das sicher nicht weiter helfen wird … am das ist ein empfundenes Phänomen, das und – so glaube ich – alle irgendwann ergriffen hat. Ich vermisse die Schule heute noch oft.
Ich war auch erst einmal erschlagen – von der Leere und den vielen Möglichkeiten sie zu füllen. Doch der Alltag kommt wieder – schneller als dir lieb ist. ;)