
Zukunfts Airlines – Wenn Träume fliegen lernen.
März 28, 2008„Herzlich willkommen bei Zukunfts Airlines! Bitte nehmen Sie eine aufrechte Sitzhaltung ein und schnallen Sie sich an. Das Flugzeug startet in wenigen Momenten in Richtung ihrer persönlichen Zukunft!“
Unruhig rutsche ich in meinem Sitz auf und ab. Das Geräusch, das erklingt, als ich den Anschnallgurt in das Gurtschloss hineinschiebe, erscheint mir unnormal laut. Was geschieht hier eigentlich? Mir wird erst in diesem Moment bewusst, dass ich inmitten zweier Leute im vorderen Teil eines Flugzeugs sitze. Rechts neben mir, am Fenster, sitzt ein junger Mann mit kurzem schwarzen Haar, der lässig die Beine übereinander geschlagen hat und aus dem Fenster sieht. Links von mir sitzt ein junges Mädchen, das nicht älter als 16 ist. Sie hat ihren Kopf an den Sitz gelehnt und die Augen geschlossen.
Ich fahre mit den Händen über mein Gesicht. Unter mir spüre ich plötzlich eine leichte Vibration und als ich aus dem Fenster sehe, bemerke ich, dass sich das Flugzeug in Bewegung gesetzt hat. Es rollt über die Startbahn und hebt schließlich vom Boden ab. Mein Blick haftet auf den immer kleiner werdenden Häusern. Was geht hier vor sich?
Als eine schwarzhaarige Stewardess an meiner Reihe vorbeigeht, spreche ich sie an. „Entschuldigung, aber wohin genau.. ähm, wohin genau fliegen wir eigentlich?“, will ich wissen. Sie hebt die Augenbrauen über ihren stark schwarz geschminkten Augen und sieht mich überrascht an. „Na, in die Zukunft. Wir bringen Sie an Ihr persönliches Ziel! Zukunfts Airlines bringt Sie ein Stückchen näher an Ihre Wünsche und Ziele“, sagt sie. Ihre Worte klingen auswendiggelernt.
Die Leute werden hier also in Richtung ihrer Ziele gebracht. Daraus entnehme ich, dass das Ziel der Stewardess genau hier ist. Von ihren schwarzen Haaren und schwarzen umrandeten Augen lasse ich meinen Blick über das mit Buttons bespickte Kostüm und die schwarz-weiß karierten Vans wandern. Bevor weitere Fragen den Weg über meine Lippen finden, dreht sie sich auch schon um und geht.
Wenn ich meinen persönlichen Träumen nun also immer näher komme, wo lande ich dann? Wie kann ich dorthin gebracht werden, wenn ich doch selber gar nicht weiß, wo ich hin will?
Und wollen alle hier an dasselbe Ziel?, frage ich mich verwirrt. Doch diese Frage beantwortet mir der junge Herr neben mir, der plötzlich aufspringt und nach einer Stewardess winkt. Anstatt der mir schon bekannten schwarzhaarigen Dame, kommt nun eine dralle Blondine auf unsere Reihe zu und strahlt den Mann neben mir mit ihren weißen Zähnen an. „Ich habs mir anders überlegt!“, erklärt er und seine Wangen werden ein bisschen rot, während er sich hektisch mit den Händen durch die kurzen Haare fährt. „Ich habe mein Ziel geändert, ich möchte gerne etwas anderes erreichen.“
„Kein Problem“, lächelt die Stewardess und winkt ihn zu sich in den Gang. Er drängt sich an mir und dem Mädchen vorbei und steht nun neben der Blondine. „Dort drüben hängen die Fallschirme“, sagt sie und deutet mit ausgestrecktem Arm auf das Ende des Ganges. „Schnallen Sie sich ihn einfach um. Meine Kollegin wird die Luke für Sie öffnen. Unten wird Sie dann jemand aus unserem Team empfangen und Sie zu ihrem neuen Ziel begleiten.“ Er nickt und geht dann in Richtung des Gangendes.
Ein wenig verwundert blicke ich dem jungen Mann hinterher und versuche zu verstehen, was hier vor sich geht. Wer hat mich hier rein gesetzt? Und was bitte soll ich da machen, wo ich ankomme?
Ich schaue aus dem Fenster und blicke auf die dichte Wolkenwand über der wir fliegen. Was ist da unten? Fliege ich womöglich gerade an einer Zukunftsalternative vorbei?
„Entschuldigung“, halte ich die Blondine an, die gerade im Begriff war, mit ihrem Wägelchen an mir vorbeizugehen. „Darf ich Ihnen etwas anbieten? Noch eine kleine Stärkung, bevor Sie sich in den Kampf um die Verwirklichung Ihrer Träume stürzen?“, fragt sie und macht eine einladende Handbewegung in Richtung ihres Wagens. „Nein danke, ich wüsste nur gerne… können Sie mir vielleicht sagen, wo ich hinwill?“, frage ich sie hoffnungsvoll. „Schätzchen“, lacht sie und schüttelt leise kichernd den Kopf, „das müssen Sie schon selber wissen. Diese Arbeit können wir nicht auch noch übernehmen.“ Dann wendet sie sich wieder ihrem Wagen zu und schiebt ihn weiter.
Eine ältere Dame mit grauen Haaren, die in der Reihe vor mir sitzt, und anscheinend mein Gespräch mit der Stewardess gehört hat, dreht sich nach hinten zu mir um. Mit einem warmen Lächeln auf den Lippen sieht sie mich an. „Jeder, der hier sitzt, hat sich schon entschieden. Ob es richtig oder falsch war, merkt man erst, wenn man einmal gelandet ist. Falsche Entscheidungen trifft jeder einmal. Raten Sie mal, warum ich hier sitze! Aber zum Glück fliegen Zukunfts Airlines ja über mehrere Strecken. Auch wenn es natürlich schwierig ist, sich hier einen Platz zu reservieren, bei dem Andrang. Aber ich drücke Ihnen die Daumen.“ Sie lächelt und dreht sich wieder um. Mit großen Augen starre ich einen Moment lang auf ihren Hinterkopf und denke über ihre Worte nach. Doch bleibt mir nicht viel Zeit zum Nachdenken, da eine Stimme durch die Lautsprecher im Flugzeug dringt.
„Wir erreichen in wenigen Minuten unser erstes Ziel. Bitte nehmen Sie wieder eine aufrechte Sitzposition ein und stellen Sie sicher, dass Sie angeschnallt sind. Wir hoffen, Sie hatten einen angenehmen Flug und wir können Sie eines Tages wieder bei Zukunfts Airlines begrüßen. Denjenigen, die an diesem Ort Zwischenstation machen und danach weiterfliegen, wünschen wir eine gute Weiterreise. Allen, die hier am Ziel ihrer Träume sind, wünschen wir alles Gute und viel Kraft für die Zukunft.“
Nach der Landung werfe ich einen Blick nach draußen. Hier sieht es nicht anders aus als anderswo. „Nur Mut!“, sagt die alte Dame vor mir aufmunternd und ich nicke. „Zukunfts Airlines kann Sie nur ein Stück von der Startlinie mitnehmen. Die Zielgerade müssen Sie nun selber laufen.“