
Im Café.
Februar 7, 2008Sie saß in dem kleinen Café, das sie immer besuchte, wenn sie ein bisschen Ruhe brauchte. Es lag im Studentenviertel der Stadt und war meist recht gut besucht. Und auch wenn viele Menschen im Raum waren, so war es doch nie laut oder auf irgendeine Weise unangenehm. Sie setzte sich immer an ihren Lieblingsplatz in der Ecke neben dem Tresen, weil sie wusste, dass sie dort in Ruhe ihren Kaffee trinken konnte und in ihrem Buch lesen konnte. Das war die beste Möglichkeit, sich vom Tag zu erholen und zu entspannen. So wie auch heute.
Sie strich sich eine Strähne ihres schulterlangen, dunkelbraunen Haares aus dem Gesicht und sah wieder auf das Buch, in das sie schon seit einiger Zeit vertieft war. Unterbrechen tat sie lediglich, um hin und wieder einen Schluck aus der Kaffeetasse zu nehmen.
„Ist hier noch frei?“, hörte sie plötzlich eine Stimme neben sich und fuhr erschrocken hoch. Sie blickte in das Gesicht eines ihr unbekannten jungen Mannes mit kurzen, schwarzen Haaren, die ihm wild vom Kopf abstanden. Mit vor Überraschung geöffnetem Mund starrte sie ihn an, unfähig zu antworten. Meinte er vielleicht gar nicht sie? Doch, seine Hand deutete immer noch auf den Stuhl gegenüber von ihrem. Leicht öffnete sie den Mund, doch sie war verunsichert, und wusste nicht, was sie ihm antworten sollte. Sie ließ ihr Buch in den Schoß sinken und sah in braune Augen, die sie jetzt erwartungsvoll anblickten. Ein Gefühl von Bedrängnis machte sich in ihr breit und es fiel ihr schwer, die gerade ablaufende Szene einzuordnen. Was hatte das zu bedeuten? Wer war dieser junge Mann? Wieso wollte er sich zu ihr setzen?
„Ja, bitte“, sagte sie schließlich unsicher und klappte das Buch zusammen, um es vor sich auf den Tisch zu legen. Er lächelte und setzte sich zu ihr an den Tisch. Immer noch verstand sie nicht genau, warum er das tat. Sie kannten sich schließlich nicht. Und sie hatte schon immer eine natürliche Abneigung gegen Menschen, die sich ihr grundlos näherten. So lehnte sie sich ein Stückchen in ihrem Stuhl zurück, und warf einen schnellen Blick über sein Gesicht. Er lachte sie verschmitzt an, sodass sich Grübchen an seinen Wangen bildeten.
„Was verschafft mir die Ehre?“, fragte sie nach einem Moment der Stille und versteckte ihre Unsicherheit hinter einem kecken Ton, mit dem sie ihm die Frage stellte.
„Ich weiß nicht..“, sagte er dann und ihr fiel die Wärme in seiner Stimme auf. Ihr schien, als konnte man gar nicht anders, als ihn zunächst einmal sympathisch zu finden.
„Ich könnte Ihnen jetzt wahnsinnig viele Gründe aufzählen, warum ich mich ausgerechnet hierhin gesetzt habe. Ich könnte zum Beispiel sagen, dass Sie die schönste Frau im Raum sind, und ich gar nicht anders konnte, als mich zu Ihnen zu gesellen.”
Sie zog die Augenbrauen hoch und sah ihn skeptisch an. Sollte das eine stupide Anmache werden?
„Ja ich weiß, das wäre schleimig gewesen. Deswegen habe ich es auch nicht gesagt“, erklärte er und sah kurz hinunter auf seine Hände.
„Ich hätte auch sagen können, dass kein anderer Platz im Raum mehr frei gewesen wäre –” Sie sah sich im Raum um, doch er redete weiter, bevor sie etwas einwenden konnte. „Aber das wäre gelogen gewesen.“ Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. „Was ist es also dann gewesen?“, fragte sie neugierig.
„Ich habe einfach meinem Gefühl nachgegeben“, antwortete er schulternzuckend. „Dem Gefühl, sich zu mir setzen zu müssen?“ „Ganz genau.“ Unsicher lächelte sie ihr Gegenüber an.
Einerseits war es ein unheimliches Gefühl, sich mit einem völlig fremden Mann zu unterhalten. Andererseits schien er nichts Böses zu wollen und gab ihr für den Moment ein gutes Gefühl. So ließ sie es geschehen.
„Warum sind Sie alleine hier?“, fragte er und sie wusste, dass es keine dieser offensiven Fragen war. Solche, in denen gleichzeitig eine Wertung mitschwang.
„Bin ich gar nicht. Ein paar Freunde hab ich dabei“, lachte sie und tippte mit dem Zeigefinger auf den Rücken des Buches neben ihrer Kaffeetasse. Sie schüttelte den Kopf, als hätte sie einen Scherz gemacht. „Ich bin gerne alleine hier. Hier kann ich wunderbar meinen Gedanken nachhängen. Meine Freunde kann ich auch woanders sehen. Hier muss ich mich nicht um Gesprächsthemen bemühen und andere bei Laune halten.“ Hielt er sie jetzt für einen Freak? „Außer so jemand wie ich kommt vorbei und unterbricht Sie dabei“, stellte er fest und sie lachte. „Aber ich weiß, was Sie meinen. Man sieht so selten Menschen alleine in einem Café sitzen. Obwohl es manchen von ihnen nicht schaden würde, für einen Moment den Mund zu halten und ein bisschen nachzudenken.“ Sie sahen sich beide im Café um. Tatsächlich gab es niemanden, der alleine an einem Tisch saß. „Dabei ist nichts Schlimmes daran, einfach mal in Gedanken zu schweifen und ein paar Augenblicke Ruhe zu genießen“, sagte er und winkte die Bedienung zu sich, um sich kurz darauf einen Latte Macchiato zu bestellen.
„Wie gut, dass wir gerade das Gegenteil beweisen“, lachte sie, als ihr seine Worte nochmal durch den Kopf gingen. Auch er lachte und wieder bildeten sich die kleinen Grübchen auf seiner Wange. Er nahm einen großen Schluck aus seiner Tasse.
„Nein, bei Ihnen ist es anders. Sie sind lange genug in Ruhe gelassen worden. Es ist Zeit für jemanden, der ein bisschen Chaos in ihr geordnetes Denken bringt“, kam es dann überzeugt von ihm. Verwundert blickte sie ihn an und wusste nicht, was sie ihm darauf entgegnen sollte. War es nicht unverschämt von ihm, so etwas zu behaupten? Er kannte sie schließlich gar nicht. Und wer sagte, dass sie das wirklich wollte?
„Ich weiß nicht“, sagte sie dann in einem Ton, der das Gesagte glaubwürdig machte. Und was sie außerdem nicht wusste, war, wie es sein konnte, dass er mit seinen Worten gar nicht mal so falsch lag. Wieder war sie verunsichert. War sie so leicht zu durchschauen? Oder hatte er einfach so ein gutes Gespür für Menschen?
Erst im nächsten Moment fiel ihr auf, wie durcheinander er sie gerade mit seinen Worten gebracht hatte, und ihre Lippen formten sich zu einem kleinen Lächeln. Sie wollte sich gerade ein paar Worte zurechtlegen, die sie ihm darauf antworten konnte, doch er sprang plötzlich von seinem Stuhl auf und zog sich seine Jacke an.
Überrascht sah sie auf, und die Frage, was er wohl vorhatte, beschäftigte sie viel zu sehr, als dass sie ihn einfach fragen konnte. Als ihr klar wurde, dass er gerade vorhatte zu gehen, wollte sie die Stimme erheben, doch er ging mit so schnellen Schritten an ihr vorbei, dass ihr keine Möglichkeit blieb, auch nur ein Wort zu sagen. Gerade wollte sie sich nach ihm umdrehen, weil sie zumindest seinen Namen erfahren wollte. Da hörte sie seine flüsternde Stimme direkt neben ihrem linken Ohr. „Ach und übrigens.. wenn ich an eines wirklich glaube, dann daran, dass man sich immer zwei Mal im Leben sieht.“ Sein Atem in ihrem Nacken verschaffte ihr eine Gänsehaut, die sich über den ganzen Körper zog.
„Bis dann also!“ Sie lächelte und drehte sich zu ihm um. Er war schon an der Ecke der Theke, sodass sich ihre Blicke noch ein letztes Mal trafen, bevor er aus ihrem Sichtfeld und bis auf weiteres aus ihrem Leben verschwand.
Moment!
Du kannst jetzt doch nicht einfach aufhören!!!
Das sollte ein Scherz sein, oder?
Von wo hast du das? Etwa selbst geschrieben?
Rück sofort raus damit, ich will das lesen!!
Ach du Scheisse, ich habe mich gerade in ein paar Absätze, in eine einfache Café Szene verliebt … ^^
kay … habs grad gefunden … hach was hast du mich jetzt aber auch wuschig machen müssen ^^